Wer audiophil ist, fährt bestimmt auch Porsche

Ich spiele im Sommer Tennis. Wenn ich auf den Platz komme sieht man oft Menschen, die das typische Klischee dieser Sportart bedienen. Sie scheinen mit ihrer täglichen Arbeit gutes Geld zu verdienen und zeigen das auch deutlich nach außen. Sie tragen immer die aktuelle Tennisbekleidung ihrer favorisierten Liebligsspieler*innen und wollen unbedingt gut aussehen. Gesehen und gesehen werden steht hier also hoch im Kurs. Ich habe einen Tennisschläger und ein paar Schuhe zum Spielen. Meine Tennisbekleidung besteht aus einem Set. Dass war es dann auch.

Was hat das Ganze nun mit audiophil zu tun? Jede Menge. Warum werde ich euch verraten. Es gibt immer wieder Klischees die regelmäßig gut bedient werden. Im Tennis bin ich da vermutlich eine Ausnahme, da ich weder in der Geschäftsführung einer Firma sitze noch einen Porsche fahre. Im Audiobereich ist das ähnlich. Sofern man audiophil (der gängige Begriff für Menschen, die sich gerne mit qualitativ hochwertiger Musik befassen) ist, muss man sofort extrem viel Geld locker machen können. Da gibt es also einen elitären Kreis, der sich zu dieser Kategorie zählt und sich anscheinend dort auch sehr wohl fühlt. Viele solcher typisch Audiophilen sieht man auf Jazzkonzerten.

Vielleicht gibt es in diesem Kreis auch einige, die ihrem Hifi- Händler des Vertrauens blind vertrauen, wenn dieser eine Marantz Komplettanlage für 30.000 Euro verkaufen möchte. Das mag alles wunderschön sein und vielleicht sind die Käufer*innen auch sehr glücklich damit. Ich für meinen Teil halte mehr davon Sound zu erleben und zu hören, anstatt blind drauflos zu kaufen. Im Bekannten- und Freundeskreis gelte ich nicht umsonst als „Tester“. Ich probiere viel aus und habe einige Eckpunkte, an denen ich mich orientieren kann.
Das ganze Klischee geht sogar noch weiter. Da ich gerade für den zweiten Teil meiner Reihe „Der ultimative Musikgenuss Teil II“ recherchiere und mich mit dem MQA Codec auseinandersetze, stoße ich immer wieder auf die Konstellation High Res Audio und Klassik. Ja Klassik kann toll sein aber in erster Linie möchte ich Rock, Pop, Soul und Jazz hören. Man geht also davon aus, dass man audiophil ist und natürlich unbedingt die tausendste Interpretation von Mozarts Meisterwerken hören möchte. Diesmal halt in MQA und nicht in DSD oder Flac. Vielleicht liegt es daran, dass es natürlich wichtig ist, klassische Musik perfekt zu mikrofonieren und aufzunehmen, da diese meist live eingespielt wird.

Dennoch möchte ich nicht nur das Teuerste vom Teuersten zu Hause stehen haben, nur um des Status Willen. Ich möchte Systeme, die funktionieren und die Sinn ergeben. Ich möchte vor allem eine vernünftige akustische Umgebung und vernünftige Lautsprecher, die nicht Millionen kosten sondern sehr gut klingen. Dass sich das nicht ausschließt sehe und höre ich immer wieder. Ein kleines Beispiel im Bereich Lautsprecher. In meinem Homerecording Studio stehen zwei unscheinbare Genelec 8020. Ein Monitorlautsprecher liegt im Bereich um die 300 Euro. Zusammen stehen also vor mir 600 Euro. Ich habe inzwischen viele Lautsprecher gehört, die etwa das dreifache oder vierfache kosten. Wenn man jedoch nicht die passende akustische Umgebung hat, machen die besten Lautsprecher keinen Sinn. Genauso ist es, wenn die Lautsprecher eine unmögliche Lage haben, in der sie stehen. Meine Genelec stehen genau im akustisch richtigen Dreieck. Das hat zwar den Nachteil, dass die Akustik außerhalb dieses Bereiches nicht perfekt ist, jedoch ist meine Sitzposition genau so ausgerichtet, dass ich im „richtigen“ Bereich sitze. In dieser Kombination schlagen diese Lautsprecher viele Andere. Wenn man also auf der Suche nach brauchbaren Lautsprechern ist, sollte man nicht den Preis als erste wichtige Größe nehmen, sondern eher die Umgebung, in der man die Lautsprecher aufstellt. Gute Händler bieten auch an, die Lautsprecher in der eigenen Umgebung zu testen.

Das es musikalisch nicht nur Klassik sein muss, zeigen schon viele Onlinehändler. Da gibt es diverse Alben von Amy Winehouse über Linkin Park bis hin zu Elbow und den Gorillaz. Viele Alben gibt es in 24 Bit oder mit MQA Codec. Dass sind durchaus auch audiophile Dateien die man dort (probe)hören kann. Sie sind halt nur nicht klassisch. Im nächsten inside music Artikel werde ich noch verschiedene Shops aufführen.

Auch Unterwegs ist es inzwischen möglich nicht unbedingt tausende von Euro auf den Tisch legen zu müssen. Es gibt von Sony einen High Res Audioplayer für ca. 180 Euro. Dass scheint jetzt vielleicht auch nicht der günstigste Preis zu sein aber die Edelmarken Astell & Kern schlägt mit mindestens 500 Euro zu Buche. Eine Alternative im mittleren Preissegment gibt es noch von Pioneer. Da sind wir im Bereich von ca. 200 Euro.

Zu guter Letzt noch ein Blick in den Bereich Kopfhörer. Es müssen hier auch nicht die Sennheiser HE 1 sein. Diese kosten etwa 50.000 Euro und sind aktuell die teuersten Kopfhörer der Welt. Kleine Anmerkung: Ich frage mich,  wie man diese Kopfhörer in der Praxis behandeln sollte. Sollte man sie nach jeden Hören entstauben und mit speziellem Pflegemittel behandeln? Vielleicht sogar in Watte einlegen? Spaß beiseite. Ich liebe Technik aber das geht auch für mich zu weit. Dennoch kann ich Sennheiser fast uneingeschränkt empfehlen. Wenn der Kopfhörer die Ohren komplett umschließen soll, kann ich den Urbanite XL empfehlen. Der Bass ist zwar gut betont aber nicht übertrieben. Wenn es etwas mehr kosten darf und es egal ist, ob sie nach Außen zu hören sind, kann ich den HD 599 empfehlen. Meine neueste Errungenschaft sei hier auch noch erwähnt; der HD 4.5. Dieser ist kabellos (alternativ kann das Kabel verwendet werden, welches beiliegt) und er verfügt über Bluetooth. Bei einem gewissen Unternehmen mit dem großen A gibt es bestimmte Rabatttage, an denen man hier ein deutliches Schnäppchen machen kann. Die HD 4.5 kamen somit nur 99 Euro, was für den Start sehr zu empfehlen ist. Auch der HD 599 lag zu Zeiten, als ich ein ähnliches Modell kaufte, bei etwa 350 Euro. Dieser liegt jetzt regulär bei ca. 150 Euro.

Natürlich ist das viel Geld, was erst einmal in die erste Investition fließt, aber wenn man sich erst einmal an die Vorzüge von High Res Audio und der Audiophilie im Allgemeinen gewöhnt hat, möchte man diese nicht mehr missen. Wie schon erwähnt, es ist nicht günstig aber man muss nicht unbedingt Porsche fahren und ein Unternehmen leiten. Stück für Stück kann man sich seine eigene Audiowelt zusammenstellen.

Und jetzt viel Spaß bei deiner Lieblingsmusik.