Der ultimative Musikgenuss II

Streamingdienste mit High Res Audio, Flac und MQA

Es ist soweit- nachdem ich auf die Unterschiede zwischen MP3 und Flac einging, möchte ich noch einmal die Möglichkeiten benennen, die man im Bereich Streaming hat.

Hier noch eine kleine Zusammenfassung:
16 Bit und eine Abtastung von 44,1 kHz entspricht der CD Qualität (meist als Hi Fi bezeichnet).
Alles darunter ist dann das MP3 oder das OGG Format (nicht mehr verlustfrei).
Alles was sich darüber befindet nennt sich dann High Res Audio (verlustfrei). Der Nachteil beim High Res Audio ist, dass es nicht vorgeschrieben ist, ab wann eine Datei als High Res gilt. Hier im Artikel werde ich aber ausschließlich auf seriöse und qualitativ hochwertige Dienste verweisen. Später gehe ich dann auf „fake“ Werbung ein und woran man diese erkennt.

Zur besseren Vorstellung habe ich hier noch einmal alles Wissenswerte grafisch zusammen gestellt:

Abb. 1: Jede Schallwelle, die das menschliche Ohr wahrnimmt ist analog. Damit aus der digitalen Musik eine analoge Schallwelle wird, muss die Musik abgetastet und umgewandelt werden. Hierbei ist es wichtig, dass der Wandler (Digital- Analogwandler) qualitativ hochwertig ist, um seiner Arbeit vernünftig nachzugehen. Ein Smartphone hat in der Regel einen schlechteren Wandler als es etwa eine Soundkarte im PC hat. Ein Audiointerface (eine externe Soundkarte) hat in der Regel einen besseren Wandler als eine interne Soundkarte. Dies hat vor allem damit zu tun, dass es im Rechner zu elektrischen „Störströmen“ kommt, die die Qualität deutlich mindern.

Abb. 2: Die Musik wird abgetastet. Dabei ist es wichtig, wie genau sie abgetastet wird (Bit) und wie oft (kHz). Links handelt es sich um eine gewöhnliche CD mit einer Abtastrate von 44.1 kHz und 16 Bit. Dies bedeutet, dass die Datei 44.100 mal in der Sekunde abgetastet wird. Die Genauigkeit lässt bei 16 Bit 65.536 Werte zu. Bei einer Abtastung von 24 Bit sind Werte (wie in der Grafik zu sehen) deutlich genauer. Insgesamt sind 16.777216 Werte vorhanden. Hierbei ist man also näher an der analogen Schallwelle. Eine höhere Bitzahl hat also mehr Dynamikstufen. Dynamik ist der Bereich zwischen lautestem und leisesten Ton.

Streaming – eine gute Alternative?
Ich bin ja etwas oldschool, wenn es darum geht Musik zu konsumieren. Ich kaufe CDs oder inzwischen digitale Flac Dateien und habe diese Musik dann auf einem mobilen Player oder einer externen Festplatte und kann somit immer darauf zugreifen. Die Daten sind sozusagen immer offline verfügbar. Dabei interessierten mich Streamingdienste wie Spotify oder Amazon Music nicht wirklich. Dies lag vor allem daran, dass die Dateien ausschließlich in MP3- Qualität vorliegen und gestreamt werden. Anscheinend ändert sich das gerade, denn High Res Audio Streamingdienste sind inzwischen aufgetaucht und bieten ernsthafte Konkurrenz zur sonstigen MP3- Mainstream- Welle.  High Res Audio aus Berlin bietet sein gesamtes Sortiment inzwischen in CD Qualität und High Res Audio, sowie MQA (dazu später mehr) an. Tidal ist ein Streamingdienst vom Gründer Jay- Z und bietet eine MP3 taugliche Variante an und ebenso eine, in der man die gesamte Bibliothek mit mindestens CD Qualität hören kann. Zu guter Letzt gibt es noch Qobuz aus Frankreich, und Deezer Hi Fi, die ebenso High Res Audio anbieten.

Seit ein paar Tagen habe ich es nun gewagt und den Dienst von Tidal ausprobiert. Noch befinde ich mich im Probemonat. Ich wollte wissen, was an dem Hype von MQA dran ist und was es wirklich taugt. Zum Einstieg habe ich gleich die 19,95 Euro Variante genutzt. Dabei werden sämtliche Alben mindestens in 16 Bit und 44.1 kHz aber bei vielen Alben auch in 96 kHz wiedergeben (siehe Infografik). Ferner gibt es tausende Titel, die in 24 bit und Flac sowie MQA wiedergegeben werden können.

Woran erkennt man Shops, die mit High Res Audio werben aber kein High Res Audio anbieten?
Wichtig ist es, dass man erkennt, ob die High Res Audio Dateien, die z. B. käuflich erworben werden können, auch wirklich High Res Audio Dateien sind. Dies kann man meist recht schnell ermitteln. Steht beim jeweiligen Album 44.1 kHz und 16 Bit, handelt es sich defintiv „nur“ um CD Qualität. Dies reicht natürlich vollkommen aus, jedoch werben viele Shops damit, High Res Audio zu verkaufen. Sofern beim jeweiligen Album Flac oder High Res Audio und nicht mehr steht, wäre ich sehr vorsichtig. Wenn man auf Nummer sicher gehen möchte, dann kann man sich die Datei im Explorer ansehen und auf Eigenschaften klicken. Hat die Datei 1411 kBit/s handelt es sich um CD Qualität. Alles darüber ist dann High Res Audio.

Was ist MQA?
Auf der offiziellen Seite wird das MQA Verfahren so beschrieben: Die Musik wird in 100%iger Studio Performance aufgezeichnet. Anschließend wird daraus ein sogenanntes MQA Origami gemacht, in dem alle Informationen enthalten sein sollen. Dies bietet sich vor allem beim Streamen an. Danach kann die Musik mit Hilfe eines Dekoders wieder zurück in die ursprüngliche Studio Performance modelliert werden. MQA ist kein freier Codec, der einfach heruntergeladen werden kann, sondern es ist vielmehr ein Lizenzprodukt. Das klingt erst mal nicht so berauschend, soll aber einen entscheidenden Vorteil bieten. Dadurch, dass nur bestimmte Wandler und Geräte MQA abspielen können, soll die Audiodatei „erkennen“, um welches Gerät es sich handelt und den Klang dementsprechend anpassen können.

Jedoch sind sich die Hersteller immer noch nicht einig, ob sie dem Ganzen den Stempel „verlustbehaftet“ oder „verlustfrei“ aufdrücken wollen. Der Erfinder Bob Stuart selbst, spricht von einem verlustfreien Format. Was jedoch auch nicht ganz stimmen kann, denn faktisch wird die Datei komprimiert. Beim Dateiformat Flac ist dies zwar auch der Fall, jedoch handelt es sich dabei eher um eine Art Archiv, welches in Echtzeit entpackt wird. MQA wird nicht entpackt sondern direkt gestreamt. Wer es ganz genau wissen will, kann sich auch gerne die Informationen auf der offiziellen Seite durchlesen.

Wenn es von Interesse ist, dann kann man sich MQA Dateien im Onkyo Shop herunterladen. Wenn man kostenfrei in den Genuss kommen möchte, ist dies ohne Probleme möglich (ein geeignetes MQA Gerät vorausgesetzt). Auf der Seite des Labels L2 gibt es viele Beispieldateien in diversen Formaten. Wer kostenfrei in den Genuss von MQA kommen möchte, kann sich entweder eine Testmitgliedschaft bei Tidal erstellen oder den MQA Softwareplayer Audirvana Plus für Windows / Mac herunterladen. Diesen gibt es als Demoversion. Ich persönlich habe aber immer wieder Audioaussetzer gehabt. Von daher keine uneingeschränkte Empfehlung meinerseits.

Im nächsten Teil von „Der ultimative Musikgenuss“ gehe ich auf die klanglichen Unterschiede zwischen Flac und MQA ein.