one city – one camera | Eine Reise – eine Review zu Canons EOS M50

„Die Berliner sind unfreundlich und rücksichtslos, ruppig und rechthaberisch, Berlin ist abstoßend, laut, dreckig und grau, Baustellen und verstopfte Straßen, wo man geht und steht – aber mir tun alle Menschen leid, die nicht hier leben können!“ – Anneliese Bödecker

Unter dem Motto „one city – one camera“ habe ich einen Urlaub in Berlin genutzt, um die neue Canon EOS M50 genauer unter die Lupe zu nehmen und in der Praxis zu testen. So viel sei schon mal verraten: sie ist ihr Geld wert. Ursprünglich wollte ich ein seperates Review zur Kamera machen aber was gibt es Besseres als die Kamera in der Praxis als eigentlichen Test zu nutzen?

Berlin ist immer eine Reise wert. Ob eine Woche oder nur ein Wochenende, diese Stadt ist ein ständiger, sich bewegender Organismus. Ich hatte das Gefühl, dass diese Stadt einerseits nie schläft und es dennoch Orte gibt, an denen man sich zurückziehen kann. Als nicht Einheimischer versuchte ich nun meine Eindrücke in Fotografien zu verwandeln. Das war nicht nur unglaublich spannend sondern es war auch für mich ein vollkommen neues Gebiet der Fotografie, denn eigentlich fühle ich mich am wohlsten, wenn eine grüne Pflanze, eine Libelle oder eine beeindruckende Landschaft sich vor meinem Objektiv befindet und auf dem Sensor verewigt wird. Dennoch wollte ich diese Chance nutzen und meinen Horizont erweitern. Dass kann ja bekanntlich nie schaden.

Mit kleiner Ausrüstung beschloss ich also mein klassisches Equipment zu Hause zu lassen, das meist immer aus Kamerarucksack (inklusive Stativ) besteht. Dieses Mal sollte es aber anders werden. Ich packte also die eigentliche Kamera mitsamt Standard- Objektiv und das 50 mm EF- Objektiv (inklusive EF Mount) ein. Falls die Lichtverhältnisse sehr schwierig werden sollten, habe ich ein kleines praktisches Gorillastativ dazu gepackt, nur um ganz sicher zu gehen.

Als Einstieg fotografierte ich komplett mit dem 50 mm Objektiv und habe somit nur eine einzige Brennweite gehabt. Dabei sollte ich bleiben, wie sich später herausstellte. Somit habe ich nicht nur eine Stadt, eine Kamera sondern genauer gesagt auch ein Objektiv. Mit dem 50er hatte ich alles gut im Blick und konnte sehr gut mit der Schärfe spielen. Die Qualität ist bei diesem lichtstarken Objektiv über jeden Zweifel erhaben.

Was fotografiert man nun alles in dieser riesigen Stadt, in der es viel zu entdecken gibt und noch mehr zu fotografieren? Ganz einfach, alles was einem vor die Linse läuft. Und im Handumdrehen ist das Thema nicht mehr nur Fotografieren mit einem Objektiv sondern auch in erster Linie Fotografie vs. Freihandfotografie, ohne Stativ mit einer ruhigen Hand. Die Ecke Friedrichshain ist bisher meine Lieblingsecke und dort fühle ich mich nicht nur kulinarisch am wohlsten. Es sollen aber auch Fotos entstehen, die Berlin präsentieren und die sofort erkennen lassen, um welche Stadt es sich handelt. Beispielsweise sind so Werke vom Fernsehturm entstanden oder es sind etwa typische Fahrpläne zu sehen.

Vorteile:
Nein ich werde nicht dafür bezahlt die Canon zu loben oder gar in den Himmel zu heben. Dennoch gibt es klare Vorteile gegenüber konventionellen und/ oder DSLR Kameras. Das Gewicht spielt bei der Städtefotografie eine wesentliche Rolle, denn wer möchte schon mehrere Kilo mit sich herumschleppen, wenn er gerade eine Stadt für sich entdeckt? Dabei habe ich zwar den EF Mount genutzt, um das 50er Objektiv zu nutzen, dass war es dann aber auch schon. Mehr Gewicht fällt dabei nicht an. Zusammen bringt es die Kamera auf 532 Gramm (inklusive Akku und SD- Karte). Mit dem EF Mount und dem 50er Objektiv liegt das Gewicht immer noch bei schlanken 668 Gramm. Dass ist durchaus vertretbar. An die Griffigkeit der Kamera musste ich mich gewöhnen, denn der Griff ist nicht soweit ausgeprägt wie der von gewöhnlichen DSLR Kameras. Nach ein paar Stunden geht die Bedienung aber sehr intuitiv und leicht von der Hand. Der größte Gewinn stellt jedoch der Bildschirm dar. Er lässt sich neigen, klappen und drehen. So ist es nicht nur gut möglich Selfies zu machen oder sich selbst zu filmen, sondern es ist somit perfekt möglich, die Kamera in niedriger Position zu halten und selbst aus einer kniehohen Position zu filmen oder zu fotografieren. Vielleicht werde ich noch das ein oder andere Testvideo für euch machen, damit ihr eine Vorstellung von der Qualität habt.

Was auch sehr überzeugt ist der Touchscreen. An diesem musste ich mich als alter 400D Nutzer wirklich stark gewöhnen, da ich das vorher nicht kannte. Die Fokussierung geht auch mit Hilfe des Touchscreens, was vieles erleichtert. Auch die Einstellung ist darüber steuerbar. Um das Ganze praktisch zu beschreiben gab es folgende Situation: ich wollte diese kleinen Schlösser fotografieren, die an einer Brückenbegrenzung angebracht wurden, und Liebespaare mit ihren Initialen versehen. Da dieses Motiv sehr bodennah war, musste ich mich also hinknien und konnte immer noch nicht durch den Sucher das Motiv betrachten. Also klappte ich den Bildschirm aus und winkelte diesen so an, dass ich das Motiv aus meiner gehockten Position sehr gut sehen konnte. Anschließend berührte ich den Teil des Motivs der scharf sein sollte und betätigte den Auslöser. Man kann auch einstellen, dass man via Touchscreen auslöst, aber da geht, für mich persönlich, das Gefühl des Fotografierens verloren.
In einer anderen Situation war ich unzufrieden mit der Belichtungszeit und konnte den ISO Wert via Touchscreen anpassen. In sofern macht diese Bedienung sehr viel Sinn und ist extrem intuitiv.

Nachteile:
In vielen Tests habe ich gelesen, dass die Akkulaufzeit extrem kurz ist. Dass ist wohl bei Videoaufnahmen definitiv der Fall. Wenn ich jedoch durch eine Stadt gehe und ein Motiv sehe, habe ich eine ungefähre Vorstellung davon, wie das Gesamtwerk ungefähr aussehen soll. Erst dann schalte ich die Kamera an und mache sie nach diversen Aufnahmen wieder aus. Somit kam ich zwei Tage lag mit einer Akkuladung aus. Dabei sind knapp 300 Fotografien entstanden. Dass finde ich für eine Akkuladung vollkommen in Ordnung. Im Videomodus kann man hingegen zusehen wie der Akku an Kapazität verliert. Erst recht in 4k. Da sollte man dann doch einen zweiten, wenn nicht sogar dritten Akku mitnehmen. Für das reine Fotografieren ist es jedoch nicht notwendig.
Der Zweite wichtige Kritikpunkt war der 4k Crop. Sprich, wenn man in 4k filmt, werden die Ränder extrem beschnitten und der Autofokus ist auch spürbar langsamer. Sicherlich gibt es hierbei Hersteller, die das besser können. Für mich steht es jedoch außer Frage, da ich alle Videos bis dato in 1080p aufnehme und wenig Möglichkeiten habe 4k weder mobil noch zu Hause anzusehen. Ein wirklicher Nachteil besteht darin, dass Canon bis dato nicht viele M- Objektive auf den Markt gebracht hat, denn bisher sind viele Modelle aus der M- Reihe vor allem wegen des geringen Gewichts durchaus interessante Alternativen neben den üblichen EOS- Objektiven.

Fazit:
Ich stand vor einer wirklich schweren Entscheidung. Nehme ich meine alte 400D und erweitere sie durch diverse Objektive oder hole ich mir eine neuere DSLR Kamera mit dementsprechenden Gewicht und natürlich auch mit einem erhöhten Preis. Eine Vollformat Kamera kam für mich nicht in Frage, da sie verhältnismäßig extrem viel kostet, für eine nur etwas höhere Auflösung. Die letzte Alternative begegnete mir auf einem Werbeplakat an einer Bushaltestelle: die EOS M50. Diese Kamera ist eine Mischung aus Spiegelreflex und Kompaktkamera. Sie ist eine Systemkamera, die nicht das Problem hat, dass der Spiegel irgendwann nicht mehr auslöst und den Vorteil, dass man diverse Objektive nutzen kann. Nicht zuletzt kann man mit dem EF Mount von Canon sämtliche EOS Objektive nutzen. Es gibt keine preiswertere Kamera auf diesem hohen Niveau. Also schlug ich zu und bereue es nicht. Diese intuitive Steuerung mitsamt Touchscreen und ausklappbaren Display ist für mich das ideale Werkzeug, um vernünftig zu fotografieren und um sich auf das Motiv konzentrieren zu Canon, ähm können.