Das könnte ich ja nicht

Es gibt sicherlich viele Menschen, die ihren Job nicht mögen und am liebsten kündigen oder für immer Urlaub haben möchten. Auch wenn es bestimmt den einen oder anderen Beruf gibt, wo ich genau das nachvollziehen kann, ist die Vielzahl der frustrierten Mitarbeiter*innen vielleicht nicht ganz unbeteiligt am eigenen Schicksal und an die Berufswahl?! Vielleicht geht es auch vielen Menschen eher um das monatliche Gehalt, als um die tägliche Arbeit und die damit verbundene jeweilige Aktivität. Frei nachdem Motto, irgendwie muss man ja zu Geld kommen.

Vielleicht unterscheide ich mich extrem aber mein Beruf macht mir Spaß. Natürlich nicht 365 Tage im Jahr und 24h am Tag. Es gibt auch Phasen, wo es weniger schön oder auch mal anstrengend ist. Aber im Schnitt betrachte ich 85% meiner Arbeitszeit als sehr positiv. Ich helfe Menschen, die sich manchmal nicht zu helfen wissen. Ich unterstütze da, wo Unterstützung gebraucht wird. Extrem viel hängt für mich von der Beziehungsebene ab. Mit Humor und viel Geduld, kann man in diesem sozialen Segment viel bewirken und auch Spaß haben. Allerdings wird man sich sicherlich keinen 911er kaufen können.

Egal ob bei der Bank oder bei fremden Menschen, die man gerade kennen lernt, wenn man den Satz sagt, man ist Heilerziehungspfleger, dann wird entweder gleich gefragt, was das denn genau sei oder es kommt sofort der Satz: „Das könnte ich ja nicht.“ Ich müsste eine Strichliste führen aber ich schätze einfach mal, dass ich diesen Satz schon 50 bis 60 Mal gehört habe in meiner sieben Jährigen Berufstätigkeit. Als ich vor einigen Jahren mal bei meiner Bank war und wieder einmal der Satz kam „Das könnte ich ja nicht“, entgegnete ich nur: Ich könnte auch nicht acht Stunden in einer Bank arbeiten. Die Reaktion war ein verdutzter Blick.

Zumal ich diesen Satz auch nicht einsortieren kann. Anerkennung ist es nicht, es ist auch keine Wertschätzung oder dergleichen. Es ist eine imaginäre Vorstellung eines Berufes den man in der Praxis nicht kennt. Da würde ich es doch, für meinen Teil, besser finden gefragt zu werden, was die Bereicherung in diesem Job ist, weil man sich dafür interessiert und nicht Interesse heuchelt. Dann hat man in etwa eine Vorstellung davon.

Vielleicht wird der Ein oder Andere oder die Eine oder Andere darüber nachdenken. Aber sicherlich wird mir es wieder in den nächsten Tagen oder Wochen passieren und ich höre diesen Satz.

Schreibt mir doch mal via Facebook, was ihr beruflich macht und warum euch euer Beruf glücklich oder unglücklich macht.