Digital Detox

„Das Internet ist das erste von Menschenhand erschaffene Ding, das der Mensch nicht versteht. Es ist das größte Experiment in Anarchie, das es jemals gab.“   Eric Schmidt, CEO von Google

Man muss aufstehen. Der Wecker klingelt. Stopp! Es klingelt natürlich das Smartphone. Nachdem man diverse Male die Snoozefunktion genutzt hat und endlich aufsteht, checkt man mal eben, beim Zähneputzen, aktuelle Nachrichten und schaut nach, was so auf Facebook los ist. Dann noch schnell einen Kaffee trinken, und maximal eine Scheibe Brot essen, da man ja sowieso schon viel zu spät dran ist. Während man dann das Brot isst und den Kaffee trinkt schaut man sich an, wer bei Whatsapp geschrieben hat oder schreibt diversen Leuten Guten-Morgen-Mitteilungen o. Ä. . Auf dem Weg zur Arbeit schreibt man vielleicht schon mit den ersten Freunden, die auch gerade auf sind oder schon die ersten Stunden arbeiten. Dass Smartphone ist immer griffbereit. IMMER! Man könnte etwas verpassen. Interessant zu beobachten ist es an Haltestellen. Dort gibt es kaum noch Fahrgäste, die ernsthaft eine waagerechte Kopfhaltung einnehmen. zurück zum Tagesgeschehen: Nachdem man den Tag ausklingen lässt und noch schnell ein kleines Spiel auf dem Smartphone spielt, checkt man noch einmal die letzten Nachrichten des Tages und geht ins Bett, um dort noch mal eben was bei Ebay Kleinanzeigen nachzusehen. Am nächsten Tag geht das ganze Spiel von vorne los.

Auch wenn diese Sichtweise vielleicht etwas überzogen ist, trifft sie doch im Grunde den Kern. Die Gesellschaft hat ein Problem und auch ich zähle mich zu den Opfern des digitalen Zeitalters. Schließlich tippe ich auch diesen Text gerade mit Hilfe eines Notebooks und neben mir liegt ein Smartphone. Auch ich checkte sehr oft die Nachrichten während ich mein Frühstück vor der Arbeit einnahm. Auch ich schaue mir noch immer hin und wieder aktuelle News auf Facebook an, bevor ich ins Bett gehe. Ich bin gerade erst in der Entstehungsphase einer großartigen Sache: der Digitalen Detox!

Ganz kurz und knapp erklärt: Digital Detox ist eine Entgiftung digitaler Medien. Darunter zählen nicht nur Klassiker wie PCs oder Fernseher sondern vor allem auch Smartphones und Tablets. Der Konsum soll also bewusst unterbunden bzw. eingeschränkt werden. Im besten Falle bekommt man wieder Kontrolle über sein eigenes Nutzerverhalten. Wie man das am besten anstellt ist genauso simpel wie kompliziert. Man versucht weitestgehend auf das Smartphone zu verzichten.
Für den Anfang kann das ein kleiner Zeitraum sein, später vielleicht ein ganzer Ort, an dem das Gerät nichts mehr zu suchen hat. Ich selbst wurde erst auf diese Art der Entwöhnung durch den Sänger und Songwriter Curse aufmerksam. Er veröffentlicht in regelmäßigen Abständen Podcasts über Meditation und Coaching. Diese Beiträge kann ich hiermit wärmstens empfehlen.

Zurück zu meinem Start in die Entwöhnung. Am Anfang des Tages weckt mich mein Wecker. Auch wenn man zur besseren Eingewöhnung vielleicht einen echten Wecker kaufen kann, nutze ich dennoch mein Smartphone dafür. Das Gerät befindet sich im Flugmodus. Dann kommen auch garantiert keine Nachrichten an. Anschließend folgt die normale Morgenroutine ohne Smartphone. Auch während des Frühstücks bleibe ich stark. Erst nachdem ich zu Ende gefrühstückt habe und einige Minuten vergangen sind beantworte ich Nachrichten und schreibe zurück. Am Anfang wirkt das alles sehr befremdlich und manchmal funktioniert es auch nicht aber wenn man es dann verstanden hat und in diese Zeit Smartphone frei unterwegs ist, merkt man, dass sich die Erde auch ohne Whatsapp und Facebook weiter dreht. Es ist nichts weiter passiert, als die eigene Zeit mit sich und nur mit sich und seiner Umgebung zu befassen. Man bekommt mehr freie Zeit, mehr Freiheit und gewinnt eine Kontrolle wieder, die zugegeben außer Kontrolle geraten ist. Erst vor ein paar Tagen war ich mit meiner besseren Hälfte unterwegs. Ich habe auch da das Smartphone bewusst zu Hause gelassen. Das tat sehr gut. Auch bei kleineren Einkäufen kann ich es nur empfehlen. Man merkt sofort, wenn man länger an der Kasse stehen muss, wie einen dieses kleine technische Gerät kontrolliert, ohne geht man jedoch aufmerksamer durch die Weltg. Nimmt Dinge wahr, die man schon längst wieder vergessen hat oder nie wahr nahm. Erst dann fällt einem bewusst auf, wie viele Menschen davon regelrecht abhängig sind.

Hier gibt es noch ein paar Tipps, wie und wo ihr das Smartphone am besten lasst, wenn ihr euch auf eine Digitalen Detox einlassen wollt:

  • FLUGMODUS: Dieser Modus ist das A und O für ein Detox. Nur in diesem Modus bekommt ihr weder Nachrichten, noch könnt ihr ins Internet
  • Bei kreativen Prozessen oder bei Arbeiten, wo ihr besonders konzentriert sein müsst, empfehle ich das Smartphone NICHT mit ins Büro zu nehmen. Lasst es in einem anderen Raum. Vielleicht muss es ja eh gerade geladen werden. Hier auch wieder den Flugmodus einschalten.
  • Spaziergänge und Einkäufe dauern meist nicht den gesamten Tag. Das ist die ideale Möglichkeit die neue Freiheit auszuprobieren und zu schauen, wie es sich anfühlt. Ihr werdet feststellen, dass es zwar ungewohnt aber dennoch schön ist.
  • Solltet ihr einen Wecker haben oder euch einen kaufen wollen, könnt ihr sogar das Smartphone nachts ausschalten. Umso strahlungsfreier wird die Nacht.
  • Für ganz Mutige: Das Gerät komplett zu hause lassen, wenn man zur Arbeit fährt.
  • Im Urlaub bietet es sich auch an. Nutzt eine Digitalkamera anstatt das Smartphone. Dann werden nicht nur die Fotos besser sondern ihr könnt auch mehr von der Umgebung genießen
  • Nehmt euch ruhig mal Zeit, ein Buch zu lesen. Ironischerweise geht das natürlich auch über den Kindle (der sich jedoch im Flugmodus befindet). Dabei benötigt man auch kein Smartphone, dass lenkt nur ab.

Viel Spaß und Freude bei der Selbsterkundung eines neuen Zeitalters. Dass in dem man kontrolliert und nicht kontrolliert wird.

„…das man über Digital Detox spricht…auf einem digitalen Video in Social Media… Aber was wäre das Leben ohne die ständigen schönen Widersprüche und Gegensetze?“ – Curse